Die Zahl der nach einheitlichen BNE-Kriterien zertifizieren Bildungsanbieter in Rheinland-Pfalz bis 2020 steigern

Auch in der Schule ist BNE präsent. Das rheinland-pfälzische Netzwerk der BNE-Schulen ist das größte und älteste Schulnetzwerk im Land. In ihm engagieren sich über 80 Schulen, die in beispielhafter Weise ein an Nachhaltigkeit orientiertes Schulprofil entwickelt und umgesetzt haben,das viele Bereiche des Unterrichts und Schullebens umfasst. Im weltweiten Schulnetzwerk der UNESCO sind 20 rheinland-pfälzische Schulen und Kindertagesstätten als „unesco-projekt-schulen“ beteiligt. Sie leben internationale Verständigung, Nachhaltigkeit und interkulturelles Lernen vor, Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz und Toleranz werden im Unterricht behandelt und in Form von Projektarbeit vermittelt.

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz trägt dazu bei, nachhaltiges Denken und Handeln bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu fördern und arbeitet hierzu auch mit den schulischen Beraterinnen und Beratern für Bildung für nachhaltige Entwicklung zusammen. Das Thema Energie bietet als Lerninhalt in der Schule einen idealen Anknüpfungspunkt für den Bereich BNE im Sinne eines gemeinschaftlich getragenen Klima- und Ressourcenschutzes.

Den Verkauf fair gehandelter Produkte sowie die Beschäftigung mit dem fairen Handel an Schulen zu fördern, ist das Ziel der Kampagne „Fairtrade- Schools“, getragen von TransFair e.V. Deutschland. Die für Bildungs-, Umwelt- und Entwicklungspolitik zuständigen rheinland-pfälzischen Ministerien sehen in der Kampagne eine gute Möglichkeit, BNE-Themen an Schulen zu verankern. Die Landesregierung unterstützt darüber hinaus zahlreiche weitere Bildungsmaßnahmen zum Globalen Lernen und zu nachhaltigem Konsum. Das rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur und das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk Rheinland- Pfalz (ELAN) e.V. schlossen im Juni dieses Jahres eine Rahmenvereinbarung mit dem Ziel der Förderung von Kooperationen zwischen Schulen und nichtstaatlichen entwicklungspolitischen Initiativen im Bereich des Globalen Lernens. Dadurch sollen außerschulische Bildungsangebote von Nichtregierungsorganisationen (NRO) besser bekannt und eine engere Vernetzung zwischen Schulen und NRO gefördert werden. Entwicklungspoliti-sche NRO verfügen über zahlreiche Angebote und Kompetenzen im Bereich des Globalen Lernens, welche von Schulen ergänzend genutzt werden können, um entwicklungspolitische und globale Themen und Inhalte zu vermitteln.

Seit dem 1. Juli 2013 beteiligt sich Rheinland- Pfalz am bundesweiten Eine-Welt-Promotoren-Programm mit zwei eigens eingerichteten Stellen. Das Programm stellt eine Kooperation des Bundes, der einzelnen Länder und der Zivil- gesellschaft dar, Rheinland-Pfalz kooperiert auch hier mit ELAN. Aufgabe der Fachpromotorin für Umwelt und Entwicklung ist es, mit Blick auf die unterschiedlichen Produktionsmuster und Konsumgewohnheiten in verschiedenen Teilen der Welt Wissen und Kompetenzen in den Bereichen Umwelt- und Entwicklungspolitik zu vermitteln. Die Fachpromotorin für Globales Lernen stärkt den Eine-Welt-Gedanken bei Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, sie vernetzt entwicklungspolitische Akteure sowie Trägerinnen und Träger der staatlichen Bildungsarbeit.

Zur vollständigen Nachhaltigkeitsstrategie des Landes: Fortschreibung 2015 >>

Verbindung zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen

Dieses Nachhaltigkeitsziel Rheinland-Pfalz leistet einen Beitrag zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nation, insbesondere SGD 4.7 und 12.8


Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen


Indikatoren

Indikatoren der Nachhaltigkeitsstrategie Rheinland-Pfalz:

Es liegen noch keine Daten vor


Status aus dem Indikatorenbericht 2017


Nachhaltigkeit verlangt ein Umdenken in Wirtschaft und Gesellschaft, das den ökologischen Belastungsgrenzen des Planeten Rechnung trägt. In einer Welt steigender Ressourcennutzung, die immer häufiger an natürliche Grenzen stößt oder diese gar überschreitet, müssen attraktive und machbare Optionen für nachhaltige Lebensstile aufgezeigt und umgesetzt werden. Nicht zuletzt deshalb muss Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) gleichermaßen Wissensvermittlung und Kompetenzerwerb für die Gestaltung einer Zukunft leisten, die das Klima schützt, die biologische Vielfalt erhält, Ressourcen schont, Armut mindert und Ungerechtigkeit überwindet. BNE ist keine Zusatzaufgabe, sondern integraler Bestandteil der erforderlichen gesellschaftlichen Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Mit der „Zukunftskonzeption Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Rheinland-Pfalz 2015 +“ begegnet das Land den aktuellen internationalen und nationalen Herausforderungen, wie sie im Weltaktionsprogramm der UNESCO und der Bonner Erklärung der Deutschen UNESCO-Kommission beschrieben werden. Ein wichtiger Bestandteil ist die Qualitätsentwicklung der Bildungsangebote. Die Einführung eines freiwilligen Qualitäts- und Zertifizierungsverfahrens zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung, die für Rheinland-Pfalz in einem gemeinsamen Prozess mit dem Saarland ab 2019 vorgesehen ist, stellt deshalb einen konsequenten Schritt in der Weiterentwicklung des Konzeptes von Bildung für Nachhaltige Entwicklung sowie der Umsetzung der Zukunftskonzeption 2015 + dar.

Zum vollständigen Indikatorenbericht 2017 >>


Kommentare

BNE und Globales Lernen müssten natürlicher Teil des Alltags und der Curricula aller Bildungseinrichtungen sein. Ganzheitlich verstandene(s) BNE/GL inkludiert systemische Transformation. Dafür braucht es die Bereitschaft, die Prozesse mit allen Beteiligten (Studierende, Schüler_innen, Lehrende, Lernbegleiter_innen u.a.) zu gestalten. Wir sollten die Lehrer_innenbildung grundsätzlich überdenken: Die Initiative Schule im Aufbruch (G.Hüther, M.Rasfeld) unterstützt Fächer wie "Verantwortung" und "Herausforderung", Selbstlernprozesse, Potentialentfaltung etc. Auch Universitäten sollten die transformative Bildung als Notwendigkeit und Chance erkennen und Räume dieser Art schaffen. Es gibt zunehmend Einzelpersonen und Initiativen, die diesen Bildungswandel vorantreiben. Junge Menschen haben die Zeichen der Zeit erkannt und bereits Ideen für die (Lehrer_innen-) Bildung entwickelt (Kreidestaub, Wanderuni etc.). Diese sollen einbezogen werden. Frauke Hahn, Zentrum Gutes Leben e.V. (Südpfalz)
Die BNE-Landschaft in Rheinland-Pfalz ist immer noch sehr umweltlastig, die globale Dimension wird in vielen BNE-Angeboten nicht oder unzureichend berücksichtigt. Bei der Steigerung der Zertifizierung der Bildungsanbieter nach einheitlichen BNE-Kriterien ist darauf zu achten, dass die globale Perspektive in den Angeboten der Bildungsanbieter ausreichend berücksichtigt wird. Es muss vermieden werden, dass eine Steigerung der zertifizierten Bildungsanbieter auf Kosten der Qualität der Bildungsangebote geht.
Über den Kompass Globales Lernen, der von ELAN e.V. herausgegeben wird, werden Bildungsangebote und Materialien von außerschulischen Akteur_innen des Globalen Lernens in Rheinland-Pfalz bekannt gemacht. Wünschenswert wäre es, wenn Schulen über entsprechende Budgets für diese Bildungsangebote verfügen könnten.
BNE und Globales Lernen sollen - wie es der Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung vorsieht - als selbstverständlicher Bestandteil im Sinne des whole school approach im Schulalltag und in den schuleigenen Curiccula aller Fächer, Altersstufen und Schulformen implementiert werden.
Die faire und ökologische Ausrichtung von Konsum, Produktion und Lieferketten, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen, ein positives Verständnis von Diversität sowie Kompetenzen zu Migrationsthemen sollten zu Alltagskultur der Menschen gehören – in der Schule, im Vereinsleben, im eigenen Wohnzimmer. Der Zivilgesellschaft kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Entwicklungspolitik beginnt bei uns in Deutschland, denn unsere Lebensstile und unser Wohlstands- und Wirtschaftsmodell haben Auswirkungen auf die Welt. Entwicklungspolitische Bildungsarbeit ist das Instrument für eine Transformation zu einer global gerechten und nachhaltigen Gesellschaft. Dem Bereich kommt in der rheinland-pfälzischen Nachhaltigkeitsstrategie bei weitem nicht die Bedeutung zu, die er eigentlich haben müsste.
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