Den Stromverbrauch bis zum Jahr 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist neben dem effizienten und sparsamen Umgang mit Energie ein entscheidender Beitrag für den Klimaschutz und die Sicherstellung der Versorgung. Die Landesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den rheinland-pfälzischen Stromverbrauch bis zum Jahr 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Dazu soll bis 2020 die aus Windkraft erzeugte Strommenge gegenüber dem Jahr 2010 verfünffacht und die Stromgewinnung aus Fotovoltaik von 0,8 auf über zwei Terawattstunden gesteigert werden.

Die Zustimmung zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz liegt bei 95 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vom Mai 2015 des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung. Die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer lehnen Atomkraft demnach genauso ab (85 Prozent) wie die Energieerzeugung durch Kohlekraftwerke (78 Prozent). Eine überwältigende Mehrheit, 88 Prozent der Befragten, unterstützt den Weg der Landesregierung zu mehr Klimaschutz und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei befürworten 91 Prozent die Energieerzeugung durch Solarenergie, 85 Prozent bewerten die Stromerzeugung aus Windenergie positiv. Besonders interessant ist, dass etwa die Hälfte der Befragten in der Nähe einer Solaranlage oder eines Windrades wohnt. Für die Infratest-Studie wurden gezielt Menschen in Regionen befragt, in denen viele Windräder stehen, nämlich in Bitburg-Prüm und Rhein-Hunsrück. In Bitburg-Prüm stellt sich die überwältigende Mehrheit von 95 Prozent der Befragten hinter die Windenergie, auch wenn den Menschen das Thema Landschaftsschutz durchaus bewusst ist. Die Zustimmung im Rhein-Hunsrück-Kreis ist nicht ganz so hoch, mit 75 Prozent aber dennoch beeindruckend. Außerdem verdeutlicht die Umfrage, dass nach wie vor mehr Basiswissen zur Energiewende nachgefragt wird: Über die Hälfte der Befragten fühlt sich nicht ausreichend informiert und sieht vor allem den Bund in der Pflicht.

Die Kommunen spielen eine wichtige Rolle bei der Energiewende in Rheinland-Pfalz. Mit dem im Juni 2013 veröffentlichten Windatlas wurde den Regionen und Kommunen ein wichtiges Instrument für eine sorgsame Flächenauswahl für Windkraftanlagen zur Verfügung gestellt. Er leistet einen zentralen Beitrag, auf planungsrechtlich geeigneten Flächen die windhöffigsten potenziellen Standorte zu bestimmen. Zudem hat der Landtag die Landesregierung dazu aufgefordert, die Beteiligungsmöglichkeiten der Kommunen an Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung, auch außerhalb der eigenen Gemeindegrenzen, zu erleichtern. Mit der Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms (LEP IV) – Erneuerbare Energien hat die Landesregierung im Jahr 2013 einen zukunftsorientierten Rahmen für den Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere der Wind- und Solarenergie, gesetzt.

Insgesamt zeigt der Ausbau erneuerbarer Energien in Rheinland-Pfalz eine hohe Dynamik. So belegt das Land im Jahr 2014 im Vergleich der Länder hinter Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg im Ausbau der Windenergie an Land mit einem Zubau von rund 463 Megawatt elektrischer Leistung den vierten Platz. Damit entfällt fast jedes zehnte zugebaute Megawatt in Deutschland 2014 auf Rheinland-Pfalz.31 Im ersten Halbjahr 2015 belegt Rheinland-Pfalz den sechsten Rang mit einem Anteil von 7 Prozent an der in Deutschland an Land zugebauten Leistung. Damit setzt sich der Erfolg erneuerbarer Energien fort. Lag der Anteil regenerativer Energien am Bruttostromverbrauch in Rheinland-Pfalz im Jahre 1990 bei circa drei Prozent, wuchs er bis zum Jahre 2013 auf 23,1 Prozent an. Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Primärenergieverbrauch im Land ist zwischen 2000 und 2013 von 1,9 auf 11,3 Prozent gestiegen.

Zur vollständigen Nachhaltigkeitsstrategie des Landes: Fortschreibung 2015 >>

Verbindung zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen

Dieses Nachhaltigkeitsziel Rheinland-Pfalz leistet einen Beitrag zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nation, insbesondere SGD 7.1, 7.2; 9.4; 12.2; 13.2 und 15.5


Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen


Indikatoren

Indikatoren der Nachhaltigkeitsstrategie Rheinland-Pfalz:

Anteil der eneuerbaren Energien vom Bruttostromverbrauch in Rheinland-Pfalz


Status aus dem Indikatorenbericht 2017

Der Wert entwickelt sich im vergangenen Jahr nicht in die gewünschte Richtung, wohl aber in einem der letzten drei Jahre, für die Daten vorliegen.

In die Fortschreibung 2015 der Nachhaltigkeitsstrategie für Rheinland-Pfalz war das Ziel aufgenommen worden, den Stromverbrauch bis 2030 bilanziell vollständig durch erneuerbare Energien zu decken.17 Der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien vom 17. Mai 2016 sieht vor, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen, maßgebend für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz ist nunmehr das Erreichen der Klimaschutzziele laut Klimaschutzgesetz. Ausgehend vom Jahr 1990, dem Bezugsjahr des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz, ist festzustellen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Rheinland-Pfalz mit 3,2 Prozent seinerzeit eher eine zu vernachlässigende Größe aufwies. Ein Vierteljahrhundert später, 2015, hat sich der entsprechende Wert mit 31 Prozent nahezu verzehnfacht. Diese Veränderung ist insbesondere auf die Entwicklung der letzten Jahre zurückzuführen. Gleichzeitig bleibt der Ausbau der erneuerbaren Energien vor dem Hintergrund des Bedarfs eine große Herausforderung. Es kann festgestellt werden, dass in Rheinland-Pfalz bereits im Jahr 2017 das in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie formulierte – deutlich weniger ambitionierte – Ausbauziel des Bundes erreicht wurde, wonach bis 2020 35 Prozent, bis 2030 50, bis 2040 65 und bis 2050 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien kommen soll. Allerdings gilt gleichzeitig, dass, in der Betrachtung der Fünf-Jahres-Intervalle von 1990 bis 1995, die realen Entwicklungen in Deutschland und Rheinland-Pfalz einen tendenziell gleichen Verlauf nehmen.

Dabei ist zu beachten, dass die Geschwindigkeit des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz in hohem Maße abhängig ist von der technologischen Entwicklung sowie, neben den landespolitischen Vorgaben, von den gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bund und in der Europäischen Union. 

Die Landesregierung treibt die Energiewende weiter voran. Dies geschieht insbesondere durch

  • dieUnterstützunginnovativerSpeichertech- nologien wie beispielsweise Batterien, Power-to-Gas oder Power-to-Heat und den Ausbau von Smart Grids sowie die Förderung einer dezentralen Energieinfrastruktur, kommunale Wärmepläne und energetische Quartierskonzepte;
  • die Weiterführung der Beratungsleistungen der Energieagentur, unter anderem unter den Gesichtspunkten Sparsamkeit und Effizienz- steigerung;
  • den weiteren Ausbau der Windenergie, insbe- sondere des Repowerings, unter Beachtung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Ausschluss- kulissen;
  • den weiteren Ausbau der Bioenergie (Biogas, Klärgas, Bioabfallvergärung), insbesondere die Erhöhung von Flexibilität und Regelbarkeit dieses Energieträgers (beispielsweise Projekt Kommunale Netze Eifel);
  • eine Steigerung der Eigenstromnutzung auf Basis erneuerbarer Energien

17Rheinland-Pfalz hat auch im Strombereich enge Lieferverflechtungen mit anderen Bundesländern. Sein Anteil des Stromaustauschsaldos am Bruttostromverbrauch beträgt für das Jahr 2015 32 Prozent. Da der Anteil des Stroms, der durch erneuerbare Energien erzeugt wird, für die Importe nicht berechnet werden kann, ist eine bilanzierte Betrachtung nicht möglich. Von daher konzentriert sich die Betrachtung auf in Rheinland-Pfalz erzeugten Strom.

Zum vollständigen Indikatorenbericht 2017 >>


Kommentare

Das fordert der BUND seit 2010. Die alte Landesregierung hatte das im Programm. Neue Besen kehren nicht immer gut.
Höhere Förderung von PV-Anlagen mit Stromspeicher.
Reinhard Sczech hat es bereits auf den Punkt gebracht. Seiner Argumentation schließe ich mich dringend an.
Wenn noch mehr Menschen darauf aufmerksam gemacht werden würden, ihren eigenen Stromverbrauch zu reduzieren, wäre der Stromverbrauch niedriger und somit würde es auch einfacher sein diesen "geringeren" Gesamtstromverbrauch aus erneuerbaren Energien zu decken.
Schon im nächsten Jahr könnte es soweit sein, dass die 52-Gigawatt-Marke beim Photovoltaik-Zubau in Deutschland erreicht wird und die Solarförderung für kleine Dachanlagen abrupt endet. Dieser Deckel derzeit die größte Bedrohung für die Photovoltaik und daher will er mit einer wirksamen Aktion dessen Abschaffung erreichen. Ich schließe mich der Forderung von Volker Quaschning an: Deutschland braucht einen Photovoltaik-Zubau von 20 Gigawatt pro Jahr braucht, um die Klimaziele zu erreichen. Spätestens 2040 muss Deutschland klimaneutral sein. In Zeiten von #FridaysForFuture und #ScientistsForFuture müssen Aktionen einen Hashtag haben. So hat Volker Quaschning seiner Aktion #DerPVDeckelMussWeg getauft. Damit will er Aufmerksamkeit für den 52-Gigawatt-Deckel schaffen. Mit Erreichen dieser Marke würde die Solarförderung für alle Dach- und Freiflächenanlagen bis 750 Kilowatt nach dem derzeitigen EEG abrupt beendet.
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